Sesshin-retreat

#24

Jetzt fängt eine neue Herausforderung für Dich an – das Langzeit-durchhaltevermögen.
Selbst der spirituell wenig interessierte Arnold Schwarzenegger (der aber einen großen Sinn für Visualisationen hat) hat in seiner “großen Bodybuilding Bibel” gesagt, dass es etwas ganz Anders ist, ob ein Kraftprotz Tonnen stemmen kann, oder ob Jemand ein Gewicht (wie z.Bsp. nur die eigenen Arme) eine lange Zeit halten kann.

Im Grunde geht es jetzt nur noch um die Ausdauer auf zwei Arten:
1.) Ausdauer bei der Länge des Sitzens, und
2.) Ausdauer bei der Regelmässigkeit des täglichen Praktizierens.
Konzentrieren wir uns heute mal auf die Ausdauer bei der Länge einer Meditationssitzung.

Warum macht eigentlich eine längere Sitzung im Gegensatz zu mehreren kurzen Sitzungen einen Unterschied? Weil man sich langsam und beständig in eine langsamere Hirnfrequenz einschwingt, bzw, die schnelleren Frequenzen langsam ausschwingen müssen. Man kann das ganz langsam über Jahre hinweg steigern, oder wie beim Schwimmen gleich voll ins kalte Wasser springen, indem man sich einen Marathon vornimmt.

Die Logik solch eines Marathons ist die einer Sesshin oder Meditations-retreats- einer intensiven Meditationsphase, wie sie in Zen-Klöstern durchgeführt wird. Dort sitzt man dann über ein Wochenende bis hin zu Wochen den ganzen Tag über.
Das ist dazu gedacht, den Geist einmal durch seine Trägheit durchzuschießen, um in eine tiefere spirituelle Dimension einzudringen, was dann den spirituelle Horizont erweitert.

Weil das beängstigend sein kann, hier meine eigene Geschichte des Anfangs von Sodarshan Chakra Kriya:

Mit 28 Jahren habe ich zum ersten mal die Übung genau so gelesen, wie du sie bekommen hast, und war völlig begeistert von der Möglichkeit hier eine ‘geheime’ Methode in die Hand gedrückt bekommen zu haben, die es mir ermöglicht, mich aus meiner Existenz der Ignoranz raus zu entwickeln.

Also habe ich mich hingesetzt und zunächst mal einen einzigen Atemzyklus hinkriegen müssen, was für mich nicht leicht war, und der nächste Schritt war zwei Atemzyklen hintereinander zu machen, denn nach dem ersten war ich zunächst meist erst mal ausser Atem. Um Dir dabei zu helfen habe ich die schamanistischen Rhythmen komponiert.

Danach war der Rest nur noch eine Frage der Geduld – bis auf das lange Sitzen, was ich, wie schon erwähnt, dadurch gelöst habe, immer mal wieder ein Bein auszustrecken.
( Lustigerweise hat mich gerade dann Jemand mal gesehen und, obwohl ich noch nicht mal auf dem ausgestreckten Bein stand, weitererzählt, dass ich 2.5 Stunden auf einem Bein stehen würde – so entstehen falsche Legenden 😉 )

Dann hatte ich die Anleitung wörtlich genommen und mir gedacht, dass mir ja Niemand verboten hat länger als die mir empfohlenen 3 Minuten zu machen; und habe dann jeden Tag soviel länger gemacht, wie ich aushalten konnte, also bis ich zu ungeduldig wurde.

Das ging dann 2 Wochen so, bis ich letztendlich bei 2.5 Stunden angelangt war, und meine einzige Regel war mit geschlossenen Augen am Stück 2.5 Stunden zu machen – komme was wolle.
Einmal kam der Postbote und ich habe die Türe nicht aufgemacht,
ein andermal war ich in einem Behandlungs/Klassenzimmer und der Behandelnde musste warten.
So rigide wäre ich heute nicht mehr, aber vielleicht war es diese Fanatik, die mich zu den 2.5 Stunden gebracht hat.
(Da ich schon von Schwarzenegger gesprochen habe: Auch er war anfangs so vom Training besessen, dass er an einem Wochenende die Scheibe der Turnhalle eingeschlagen hat, nur um dann auch trainieren zu können, und wir sehen ja, wohin ihn sein Eifer gebracht hat.)

Was ich immer noch kompromisslos durchziehe, ist es, an einem Stück zu meditieren, und die Übung nicht aufzuteilen, weil dann aus meiner Sicht heraus die Dynamik flöten gegangen ist, und die Hirnfrequenzen nicht weiter verlangsamt werden.
Anfangs hatte ich z.Bsp. wegen dem Alkohol viel Hitze im Darm und habe beim Sitzen sofort Durchfall bekommen; habe aber die Meditation nicht unterbrochen sondern sogar auf der Toilette weiter meditiert (was einem unhygienisch vorkommen mag, aber ich habe das als buddhistisches Loslassen von Ekel-konditionierungen gesehen).
Bis heute ist es so, dass ich manchmal pinkeln muss, und dann dafür während dem Weitermachen aufs Klo gehe.
Und unterbrechen tue ich übrigens auch, wenn mir (oft kurz nach dem ersten Hinsetzen) einfällt, dass ich etwas hätte vorbereiten müssen (wie z.Bsp. Essen aus dem Kühlschrank nehmen, oder etwas in den Ofen zu schieben). Das ist in meiner Erfahrung besser, solche Langzeitprozesse gleich hinter sich zu bringen, als die ganze Zeit hindurch in Reue daran denken zu müssen.

Mein Trick, es auf solch eine lange Zeit zu schaffen, war den Punkt der Ungeduld, der irgendwann kommt, einfach sprichwörtich ‘auszusitzen’, also den einfach mal eine viertel Stunde auszuhalten; und magischer Weise ist danach der Knoten gelöst, und man kann wieder eine ganze Weile lang weiter machen.

Wenn Du jetzt denkst, dass Du dafür zu bschäftigt bist, oder noch nicht perfekt genug lebst, dann kann ich Dir sagen, dass ich zu der Zeit in der Endphase meines Vollzeit-Diplom-Studiums war und sogar noch oft auf Parties ging, also viel Alkohol getrunken habe, und selbst dann hat SCK noch funktioniert – einmal habe ich es sogar nach dem Trinken noch gemacht (was ich natürlich so nicht empfehlen würde), aber auch an Kater-Tagen danach konnte ich das durchziehen.

Allerdings muss ich der Fairniss halber auch zugeben, dass ich damals sowohl in einer spirituellen Hochphase war, als auch in einem spirituell extrem begünstigenden Umfeld chinesische Medizin studiert habe, also keine Seitenangriffe, sondern eher Bewunderung erfahren habe, was die Arbeit schon wesentlich erleichtert hat.

Dann wiederum muss ich sagen, dass ich ein rastloses Feuerpferd bin, also wenn ich das mit meinem Affengeist schaffen konnte, dann sollte es Dir auch möglich sein – und ich habe das ohne all die Erklärungen und das langsame Hochtrainieren, was Du hinter Dir hast, geschafft. Die Wirkung davon war, dass ich:

  • nach der ersten 2.5-Stunden Sitzung in den Spiegel schaute und meine Augen mich fast parallel anschauten.
  • meine Sexualität als 28-Jähriger in der Zeit stark beruhigt wurde, und ich trotz der vielen Hitze des Alkohols wesentlich weniger masturbierte.
  • Ich insgesamt wie in einem beruhigenden Teppich eingehüllt war, so dass sich meine vom Vater geerbte cholerische Natur auch sehr beruhigte:
    • Das beste Kompliment kam von einem damaligen Widersacher, der auf mich zukam, mich fragte, was ich derzeit spirituell machen würde, und mir sagte, dass ich so weitermachen solle wie bisher, weil es mir gut täte.
  • Auch habe ich mehrere Freunde, die aus verschiedensten spirituellen Richtungen kamen gebeten mir zu sagen, wenn sie unangenehme Wirkungen (wie vielleicht Übeheblichkeit) beobachten würden; aber Alle bestätigten, dass mich SCK höchstens mystischer machen würde.
  • Insgesamt war die beruhigende Wirkung vergleichbar mit dem Rauchen von Cannabis – nur ohne den verdummenden Aspekt, der einen schwächer im Sozialleben macht – also in völliger Klarheit.
  • Auch auf meine Berührungfähigkeit hatte das gute Auswirkungen:
    • Zuvor war ich so verspannt, dass ich so kitzelig war, dass eine Lieberin die auf mir saß und meinen Bauch streicheln wollte durch mein Zusammenzucken direkt über mich an das Kopfende des Betts geschleudert wurde 😀 .
      Danach konnte ich nicht nur eine Kommolitonin im schwedischen Massagekurs lange geduldig halten – ich fühlte auch bei ihr wann sie adoptiert wurde und wo genau ihr Schmerz saß, so dass sie den Rest des Tages danach weinte.
      Bei einer Anderen spürte ich, die Trauer die sie empfand, als ihre Schwester mit 6 Jahren starb.
      (Bei beiden Ereignissen muss ich aber zugeben, dass Eines davon vor meiner SCK-Praxis war; dass ich also glaube derzeit generell eine unglaublich spirituelle Phase gehabt zu haben.)
  • Die mystischste Erfahrung damals war, dass ich mir überlegt hatte, wie man eigentlich ein Mantra denkt, und habe es für mich wie Hören deklariert.
    Einmal plötzlich (und nie wieder danach) habe ich das Mantra “WaheGuru” aus dem Bauch gehört, obwohl ich damals noch überhaupt nichts über Brahma oder das Bauchchakra wusste. {Yogi Bhajan habe ich übrigens eine Woche später zu Sikhs sagen hören, dass man aus dem Bauch raus chanten solle.}

Insgesamt habe ich das zwischen 50 & 60 Tagen (inklusive meinem geschätzten 2-Wochen-Aufbau) so durchgehalten und werde später erzählen, warum ich es nicht fortgesetzt habe.

Hier nochmal Tipps für solch eine Praxis:

  • Damals gab es noch keine Smartphones, weshalb mein einziger Timer der Stunden-timer an einer Quarzuhr war, den ich einfach auf 50 Minuten in Wiederholung gestellt hatte. Zu wissen, wann ich ein Drittel erledigt hatte, war sicher auch hilfreich.
  • Des Weiteren würde ich natürlich von jeder Art von Drogen (illegale, aber auch die nicht zu unterschätzenden legalen) vor Allem vor der Praxis abraten, weil die Hitze es einem vielfach erschwert und der Fokus vernebelt wird. Weil jede Substanz anders wirkt und jeder Typ ein anderer ist, beobachte selbst, was für Dich funktioniert oder die Praxis erschwert hat.
  • Es ist leider wirklich so, dass das früh morgendliche Meditieren ungefähr 10 mal einfacher ist als das am Nachmittag, zudem man dann nicht den ganzen Tag im Nacken sitzen hat, dass man noch das lästige Meditieren hinter sich bringen muss.
    Falls es mal morgens nicht geklappt hat, dann ist das Zweitbeste spät Abends, wenn die Sonne schon wieder unter geht. (Yogi Bhajan hat mir das persönlich empfohlen, aber damals dachte ich, dass der jetzt mal ruhig sein kann, mir noch mehr aufzudrücken, wenn ich schon so viel meditiere.)
  • Die beste Meditationsumgebung ist ganz alleine und die schlechteste in einem Raum mit Nicht-meditierern. Nicht nur wegen Zweiflern und wunderfitzigen Beobachtern. Auch weil selbst das unverständliche Gemurmel von Straßenarbeitern manchmal störend sein kann, weil Stimmen die Schwingung der Ruhe zerteilen – den Urzustand teilen – ein ‘Urteil’ sind.
  • Wie gesagt – bei Ungedult einfach durchhalten – es wird dann wirklich wieder besser – es ist also nicht so, dass man an seine Grenze gekommen ist, sondern nur die Phase überstehen muss. Insgesamt kommen ungefähr 5 solcher unangenehmer Geistesverknotungen, die es zu überstehen gilt. (Mir kam das wirklich so vor, als wären es Knoten in der Zeit.)
  • Sitzen kann ich bis heute nicht in Sidassana, also tut es ein Schneidersitz auch, und wenn immer das Bein weh tut kannst Du entweder eines auf dem Boden, oder Beide (falls Du Dich auf dem Bett meditierst) ausstrecken, bis es sich erholt hat.
    Wenn Du Knieschmerzen hast, dann ist auch ein Sitzen auf dem Stuhl, und sogar in einem Sessel in Ordnung, wie Ravi Singh gesagt hat (wobei ich nach hinten gelehnte Sitzmöglichkeiten weniger mag, weil man dann einknickt). Lass Dich das nicht vom Sitzen abhalten.
  • Auch musst Du, wenn es Dir zu viel wird, nicht so rigide auf die Nasenspitze fokussieren -ich habe damals einfach mit geschlossenen Augen gesessen.

Hier also Deine Aufgabe für die nächste Zeit

Versuche mal ,in den nächsten 2 Wochen lang SCK so weit als möglich aufzubauen und das dann wenn es geht 5 Wochen lange durch zu halten.
Es gibt natürlich hauptsächlich einen driftigen Grund, wieso Du das nicht tun könntest, und der ist Deine Eingebundenheit in entweder Familienleben und/oder Beruf.

Fortgeschrittene sollten täglich üben,
falls Du die Ambition bzw. Aspiration hast, diese Hürde zu nehmen,
Du auch,
ansonsten weiterhin mindestens jeden zweiten Tag pratizieren.

Falls Du es auf 2.5 Stunden schaffst, wird das für Dich der Beweis für die Wirkung von Sodarshan Chakra Kriya sein, die Du für den Rest Deines Lebens nicht vergessen wirst.
Und selbst, wenn nicht, bist Du dann auf einem soliden Weg für den nächsten Schritt.

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